Über Urlaub

02 Aug 2011

Fragen, die andere stellen:

Wie mache ich am besten Urlaub? Jeden Tag vorplanen? Die Dinge auf mich zukommen lassen? Weder das eine noch das andere? Was dann?

Zeitungen und Zeitschriften sind zurzeit voll mit Tipps, wie man es richtig machen soll. Bei Paaren oder Familien spricht viel für gut getakteten Aktivurlaub – rund ein Drittel der Scheidungsanträge werden nämlich  direkt nach den gemeinsamen Ferien eingereicht. Kein Wunder: die wenigsten Paare sehen sich im Alltag den ganzen Tag – außer denjenigen, die gemeinsam arbeiten. Oder gemeinsam arbeitslos sind. Die anderen haben vor allem abends und am Wochenende miteinander zu tun – und im Urlaub sollen sie 24h täglich zusammen sein?  Das verspricht Konflikte und deshalb ist ein vollgepacktes Programm sicher gut. Zumindest für die, bei denen es schon vor dem Urlaub kriselt. Die krisenfesteren können ja dann faul am Strand liegen …

Was mich dabei beschäftigt:

Ob Aktiv – oder Passivurlaub ist für mich nicht die entscheidende Frage. Mein Mann und ich sind krisenfest. Nein, mich beschäftigt vielmehr: wie kommt man gut aus dem Urlaub zurück?

Kurt Tucholsky hat schon so schön beschrieben, wie schwer das ist. Wie sich der Körper zurück in der Stadt nach der Bewegung beim Wandern und Klettern sehnt, die Lungen nach der frischen Luft. Selbst der Regen war im Freien schöner. Und keiner will ja wirklich hören, wenn einer von seinem Urlaub schwärmt. Wirklich interessant ist ja nur der eigene. Ja,  gerade die ersten Tage sind schwer, schreibt Tucholsky, wenn der Zurückgekehrte überlegt, wo genau er heute vor einer Woche noch war. Am Strand morgens, auf der Terrasse zum Tee nachmittags …

Da packt ihn die Sehnsucht und der Urlauber will am liebsten zurück in die Natur und die Freiheit, die sie ihm gibt. Aber weil er vernünftig ist, fügt er sich wieder ein in den Betrieb und den Alltag, und nach ein bisschen Gewöhnung ist die Arbeit so, wie sie vorher war. Und er, der Urlauber, beginnt das vertraute Gewicht des Alltags wieder zu schätzen und gewinnt ihm sein Gutes ab – die Kollegen, die kleinen und großen Erfolge.

Und doch: Diesen Rest Bräune im Gesicht von der Sonne auf den Gipfeln will er noch erhalten, die Leichtigkeit in den Füßen spüren, wenn die Kletterschuhe ausgezogen sind und die Füße nackt über den  Saunaboden dürfen, die Sattheit spüren nach einem Tag voller Herausforderungen im Klettersteig …

Ja, das ist es wohl – man kommt gut aus dem Urlaub zurück, wenn man die Erinnerungen pflegt. Die inneren Bilder nicht verstauben lässt. Die Fotos im iPad allein genügen nicht – es ist der eigene innere Film in 3D, mit allen Sinnen genossen, mit Nase und Geschmack, mit Tastsinn und Ton. Das ist der Urlaub in mir, den mir keiner nehmen kann.

Und sonst noch:

Eine Karikatur, die mir mal eine Coach-Kollegin gezeigt hat.

Die Zeichnung ist überschrieben mit der Zeile: NACH DEM COACHING und zu sehen ist darauf ein Mann an einem Schreibtisch, der vollgepackt ist mit Akten und Dokumenten und Formularen. Der Mann erstickt ganz offensichtlich in Arbeit. „Na“, fragt ihn ein Kollege, „schaffst Du es denn nach dem Coaching nun besser, Urlaub zu nehmen?“ „Nein“ antwortet der hinter dem Schreibtisch, “aber ich vermisse ihn nicht mehr.“

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